- Schielen ist nicht nur ein Schönheitsfehler!
Schielen führt häufig zur
Schwachsichtigkeit eines Auges (Amblyopie). Ein räumliches Sehen fehlt. Wenn man
rechtzeitig und konsequent behandelt, lässt sich die Sehschärfe des schielenden
Auges erhalten bzw. wieder herstellen. Nach dem 6. oder 7. Lebensjahr sind bei
Ihrem Kind entstandene Schäden so groß, dass sie meist nicht mehr zu beheben
sind
- Die Behandlung besteht je nach Alter meist zunächst in der Verordnung einer
Brille.
Wenn eine Brille verordnet wird, soll das Kind diese möglichst
ständig tragen! Bei bestimmten Schielformen beseitigt alleine das Tragen der
Brille die Fehlstellung der Augen, meist jedoch dient die Brille vor allem zur
Verbesserung der Sehschärfe.
- Im Allgemeinen wird der Augenarzt die Brille etwa bis zum 8. Lebensjahr
jährlich etwas verändern müssen.
Das ist eine Folge der Tatsache, dass das
Kind nicht von Anfang an den vollen Wert der benötigten Gläserstärke annimmt und
sich erst allmählich daran gewöhnen muß. Dies bedeutet nicht, dass sich die
Augen in dieser Zeit zunehmend verschlechtern.
- Ein wichtiger Schritt der Behandlung besteht darin, das schielende Auge zum
'Arbeiten' zu bringen.
Das Kind benutzt beim Sehvorgang das abgewichene Auge
nicht - der Seheindruck des abgewichenen Auges wird unterdrückt (supprimiert).
Um diese Unterdrückung (Suppression) zu durchbrechen, ist es nötig, das "gute
Auge" abzudecken (zu okkludieren), um so dem schielenden Auge die Möglichkeit zu
geben, 'sehen zu lernen'. Dies muß regelmäßig vom Augenarzt und der Orthoptistin
überwacht werden, damit nicht das abgedeckte gute Auge nun seinerseits das Sehen
verlernt, d.h. schwachsichtig wird.
- Wenn beide Augen abwechselnd schielen, ist die Gefahr der Schwachsichtigkeit
überwunden. Es ist ein Zeichen dafür, dass an beiden Augen annähernd gleiches
Sehvermögen vorliegt und das Kind nun willkürlich mit dem rechten bzw. linken
Auge sieht.
- Eine Schieloperation kommt im Allgemeinen
erst dann in Frage, wenn dieses abwechselnde Schielen (Alternieren) erreicht
ist. Falls der Schielwinkel sehr groß ist, kann man möglicherweise mit einer
Operation nicht das gesteckte Ziel erreichen, sondern benötigt einen zweiten
zusätzlichen Eingriff! Die Operation allein kann die Schwachsichtigkeit des
schielenden Auges nicht beseitigen, sondern dient lediglich der Geradstellung
des Auges.
- Bei speziellen Schielformen sind neben Okklusionsbehandlung (Abdecken),
Brillenordination und Schieloperation noch Übungen an besonderen Geräten
notwendig, die in unserer Sehschule durchgeführt werden müssen.
Diese
Information kann natürlich nicht alle Möglichkeiten des Schielens und die sich
daraus ergebenen Konsequenzen berücksichtigen. Es soll Ihnen nur einen besonders
häufigen Behandlungsgang beim Schielen in den Grundzügen verdeutlichen.
Nur durch eine verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen Augenarzt,
Orthoptistin und Eltern des Kindes kann ein Erfolg gewährleistet werden. Der
Behandlungszeitraum erstreckt sich im allgemeinen bis zum 6. bis 7. Lebensjahr.
Jegliche Formen der Sehstörungen gehören in die Hände eines Augenarztes. Von verschiedenen Seiten hört man oft von der sogenannten Winkelfehlsichtigkeit. Hier handelt sich um eine wissenschaftlich nicht anerkannte Methode, die in den meisten Fällen eine vorhandene minimale Augenfehlstellung mit der Verordnung einer Prismenbrille zu korrigieren versucht. Diese unsachgemäße Prismenkorrektur führt in vielen Fällen dazu, daß ein bestimmter
Schielwinkel, der damit korrigiert werden soll, im Laufe der Zeit zunimmt und demzufolge eine immer höhere Prismenstärke erforderlich wird. Dies macht in vielen Fällen die (ungewollte) Durchführung einer Schieloperation notwendig. Die "Winkelfehlsichtigkeit" ist nach exakten Untersuchungen der
wissenschaftlichen Augenheilkunde keine Diagnose sondern ein Kunstprodukt. Es ist bekannt, dass nach Versorgung mit derartigen Brillen durch Optiker ohne
vorherige augenärztliche Untersuchung bis zu 30% der so "Behandelten" sich einer
Operation unterziehen mussten. Wird nämlich eine gefundene Abweichung mit
Prismen korrigiert, wird regelmäßig eine Größenzunahme dieser Abweichung
beobachtet. Damit wird eine Operation oft unvermeidlich.
Augenärzte warnen ausdrücklich davor, ohne vorherige augenärztliche Untersuchung
Prismenbrillen vom Optiker anpassen zu lassen. Bei den erheblichen Kosten einer
jeden Brille ist es unbedingt ratsam, vorher das neutrale und kompetente Urteil
eines Augenarztes einzuholen.
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