Glaukom? Was ist das?
Unter dem Begriff Glaukom ("Grüner Star") ist eine Vielzahl unterschiedlicher
Erkrankungen zusammengefasst, die gemeinsam haben, daß Nervenfaserzellen der
Netzhaut untergehen, was zu charakteristischen Schäden am Sehnervenkopf,
Gesichtsfeldausfällen und unbehandelt letztendlich bis zur Erblindung führen
kann. Einer der Hauptrisikofaktoren ist der erhöhte Augeninnendruck. Dabei ist
zu beachten, daß der Augeninnendruck häufig mit dem Alter zunehmend ansteigt und
im Tagesverlauf insbesondere bei Glaukompatienten um mehrere mm Hg schwanken
kann. Ungünstigerweise treten die höchsten Werte häufig nachts oder in den
frühen Morgenstunden auf. Aber auch andere Risikofaktoren wie
Durchblutungsstörungen, Neurodegeneration und Exzitotoxizität (Absterben der
Nervenfasern durch Übererregung) sowie immunologische Erkrankungen haben in den
letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen (siehe unten). Weltweit stellen
die Glaukome eine der häufigsten Erblindungsursachen dar. Regelmäßige Kontrolle durch Ihren Augenarzt ist die sicherste Behandlung
des grünen Stars.
Unterschiedliche Glaukomformen:
Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Glaukomen. Bei letzteren ist
die Glaukomerkrankung die Folge von anderen Erkrankungen (z.B. Verletzungen,
Entzündungen, Tumore). Die Ursache ist also bekannt. Das akute
Winkelblockglaukom (Glaukomanfall) entsteht durch eine Verlegung des
Augenwasserabflusses. Dabei kann entweder die Irisbasis den Kammerwinkel
verschließen oder Iris und Linse können sich aneinanderlagern, was zu einem
starken Anstieg der Druckwerte u.U. bis über 60mm Hg führt. Heftige Schmerzen
und häufig auch eine Sehverschlechterung ('Nebelsehen', 'Farbringe um Lichter')
sind die Folge. Der akute Glaukomanfall ist ein dringender Notfall und muss
sofort augenärztlich versorgt werden! Bei angeborenen - kongenitales Glaukom -
und frühkindlichen Glaukomen liegt meist eine Störung in der Entwicklung und
Ausreifung des Kammerwinkels vor, so daß das Augenwasser nicht ausreichend
abfließen kann. Der erhöhte Druck kann zu einer übergroßen Ausbildung von
Hornhaut und Augapfel ('Buphthalmus') führen. Bei Verdacht von Eltern oder
Kinderarzt sollte immer frühzeitig eine Untersuchung durch den Augenarzt
erfolgen, damit schnellst möglich eine Therapie eingeleitet werden kann. Die
häufigste Glaukomform ist das sogenannte primäre chronische Offenwinkelglaukom.
Der Augeninnendruck ist hier erhöht (meist zwischen 25 und 40mm Hg) aber der
sog. Kammerwinkel im vorderen Augensegment, in dem das Augenwasser
(Kammerwasser) abfließt, ist offen. Die Ursache für den erhöhten Augeninnendruck
ist wahrscheinlich eine Abflussstörung des Kammerwassers durch das
Trabekelmaschenwerk. Allerdings kann bei einer schlechten Durchblutung auch ein
'normaler' Augendruck 'zu hoch' sein und zu glaukomatösen Schäden führen
- Normaldruckglaukom: Das Normaldruckglaukom gilt als Variante des Offenwinkelglaukoms, beide zusammen machen rund 90 Prozent der Erkrankungen aus. Beim Normaldruckglaukom sind es andere Vorgänge, die den Sehnerv schädigen. So kann eine unzureichende Blutversorgung die Nervenfasern schädigen. Insbesondere wenn Personen starken Blutdruckschwankungen ausgesetzt sind, kann dieser häufige Wechsel den Untergang der Fasern verursachen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse weisen zudem darauf hin, dass auch der Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) beim Normaldruckglaukom eine Rolle spielt. Der Sehnerv ist auf seiner ganzen Länge von Hirnhaut und von Liquor umgeben. Vor kurzem zeigte sich, dass Liquor-Proben aus dem Umfeld des Sehnervs sich bei Patienten mit Normaldruckglaukom von Proben aus dem Raum im Wirbelkanal unterscheiden. Möglicherweise liegt dies an einer mangelhaften Zirkulation des Liquors. Sie könnte dazu führen, dass sich entzündungsfördernde Substanzen im Raum um den Sehnerv ansammeln, die die Krankheit auslösen. Auch eine gestörte Autoimmunität wird als Krankheitsursache diskutiert.
Grüner Star und grauer Star
Aufgrund ihrer Ähnlichkeit werden diese beiden Begriffe nicht selten
verwechselt. Außer ihrem Namen habe die beiden Krankheitsbilder jedoch nichts
gemeinsam. Beim 'Grauen Star', auch Katarakt genannt, kommt es zu einer meist
langsam zunehmenden Trübung der Augenlinse, die der Patient im Gegensatz zu
Glaukomschäden selbst bemerkt. Die Behandlung des 'Grauen Stars' ist mit
Medikamenten nicht möglich. Durch eine Operation mit Einpflanzung einer klaren
Kunstlinse kann das Sehvermögen meist deutlich verbessert werden. Im Gegensatz
dazu ist solch eine Verbesserung durch eine Glaukomoperation ('Grüner Star')
leider nicht möglich, sondern der Erhalt der bedrohten Nervenfasern steht
hierbei im Vordergrund.
Welche Bedeutung hat der Augeninnendruck ?
Für die Entstehung des Glaukoms sind viele Faktoren verantwortlich. Ein erhöhter
Augeninnendruck ist neben einer gestörten Durchblutung am Sehnerv der wichtigste
Risikofaktor für einen Glaukomschaden. Ein gewisser Druck im Augeninneren ist
notwendig, damit das Auge seine kugelige Form behält. Für die Erhaltung des
Drucks ist das sogenannte Kammerwasser verantwortlich. Dies ist eine klare
Flüssigkeit, die im vorderen Augenabschnitt zwischen Hornhaut, Iris und Linse
zirkuliert. Das Kammerwasser wird im Ziliarkörper, der hinter der Iris gelegen
ist, gebildet. Durch ein feines Kanalsystem (Trabekelmaschenwerk) kann es nach
einer gewissen Zeit wieder aus dem Auge transportiert werden.
 Im gesunden
Auge besteht zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers ein
Gleichgewicht, das zu einem relativ konstanten Augeninnendruck führt. Beim
Glaukom kann dieses Gleichgewicht gestört sein. Entweder wird zuviel
Kammerwasser produziert oder es fließt zuwenig Kammerflüssigkeit ab, weil der
Abflussweg verstopft ist. Der Augeninnendruck steigt an. Die schleichende
Druckerhöhung über Monate und Jahre macht zunächst keine Beschwerden. Durch den
ständig erhöhten Druck auf den Sehnerv kann es jedoch, je nach
Druckempfindlichkeit, zu einem langsam fortschreitenden Nachlassen der
Sehleistung kommen. Diese wird vom Patienten zunächst lange nicht selbst
bemerkt. Regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung durch den Augenarzt sind
deshalb wichtig.

Bei der Entstehung eines Glaukoms spielt die individuelle
Druckempfindlichkeit der Patienten eine große Rolle. Einige Patienten reagieren
schon auf relativ niedrige Augeninnendruckwerte mit Glaukomschäden während
andere auch bei weitaus höheren Druckwerten kein Glaukom entwickeln. Bislang
galt ein Augeninnendruck zwischen 10 und 21 mmHg als normal. In den letzten
Jahren hat sich jedoch gezeigt, daß nur etwa 50 Prozent der Offenwinkelglaukome
über den Augeninnendruck diagnostiziert werden und nur etwa 1/3 der Patienten
mit einem Druck von 20-30 mmHg einen Glaukomschaden entwickeln. Desweiteren
haben 30-50 Prozent der Patienten mit typischen Gesichtsfelddefekten einen
Augeninnendruck unter 21 mmHg. So gibt es z.B. eine Gruppe von Patienten mit
Offenwinkelglaukom, bei der aber nie ein erhöhter Augendruck gemessen wurde
(sog. 'Normaldruckglaukom').

Durchblutung
Diese Beobachtungen weisen darauf hin, daß es neben dem Augeninnendruck auch
eine Reihe von weiteren Risikofaktoren gibt, die tlw. alleine, aber insbesondere
auch in Kombination (‚multifaktorielles Geschehen') zu der Entwicklung, aber
auch dem Fortschreiten von Glaukomschäden führen. So haben zahlreiche große
Studien ergeben, daß außer einem erhöhten Augeninnendruck auch eine
unzureichende Durchblutung des Sehnerven zu einer Schädigung führen kannn. So
besteht ein Zusammenhang zwischen Glaukomerkrankung und kardiovaskulären (Herz-,
Kreislauf-) und hämatologischen (Blut-) Erkrankungen, erhöhte Blutviskosität
etc. Nicht nur eine arterielle Hypotonie (niedriger Blutdruck) und Hypertonie
(hoher Blutdruck), sondern auch stark schwankende Blutdruckwerte sowie eine
(über-) starke Senkung von erhöhten auf (zu) niedrige Werte gelten als
Risikofaktoren für die Progression von Glaukomschäden. Allerdings hat der
Augendruck auch Auswirkungen auf die Durchblutung des Auges, da das Blut 'gegen'
den Augendruck in das Auge einströmen muß und beim Verlassen der Druck in dem
drainierenden venösen System dem Augendruck entspricht und dadurch höher ist als
in anderen Organen. Für die Perfusion des Sehnerven gilt daher: mittlerer
arterieller Blutdruck in Kopfhöhe minus Augeninnendruck (= Druck in den
abführenden Venen). Auf die Bildung des Augenwassers und des Augeninnendruck
hat der Blutdruck allerdings keinen direkten Einfluß, d.h. ein Patient mit
systemischer Hypotonie muß nicht befürchten, daß bei einer Anhebung des
Blutdruckes auf normale Werte gleichzeitig auch der Augendruck ansteigt.
Wenn sich das Anheben des Blutdruckes als notwendig erweist, sollte
stufenweise vorgegangen werden: Nur in Zusammenarbeit mit dem Internisten ggf.
eine (über-) starke blutdrucksenkende Therapie abschwächen, so daß bei noch
akzeptabler Belastung des Herz/Kreislaufsystems eine ausreichende Durchblutung
im Gehirnbereich erfolgen kann. Ausreichende Flüßigkeitsaufnahme (mindestens ca.
2 Liter pro Tag), salzreiche Ernährung und möglichst viel körperliche Bewegung
(‚Zelltod beginnt im Fernsehsessel'). Wenn alle diese Maßnahmen nicht
ausreichen, kann in Zusammenarbeit mit dem Internisten (24 h RR-Messung!) ggf.
eine niedrig dosierte Therapie mit Mineralkortikoiden erfolgen (z.B.
Fludrocortison 0,1 mg / 1 - 2 mal pro Woche). Da Patienten hierauf sehr
unterschiedlich reagieren, müssen unbedingt internistische Kontrollen mit 24 h
RR-Messungen durchgeführt werden, damit kein überstarker Anstieg entsteht. Die
häufig eingesetzten Gefäß-verengenden ‚Kreislaufmedikamente' sollten bei
Glaukompatienten nicht angewendet werden, da sie die Durchblutung am Sehnerv
eher noch verschlechtern. Insgesamt halten wir hier eine gute Zusammenarbeit
zwischen Internist und Augenarzt für unbedingt erforderlich.
Andere wichtige Risikofaktoren
Neuere Untersuchungen weisen zudem
auch auf die Beteiligung von neurodegenerativen und immunologischen Prozessen
hin. So kann das Zugrundegehen der Nervenfasern durch eine Übererregung
ausgelöst werden. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei ein starkes Ansteigen
der Konzentration des Neurotransmitters Glutamat, was insbesondere über eine
Erhöhung von Calcium und Natrium in den Nervenfaserzellen zu deren Übererregung
und letztlich zu ihrem Untergang führt (Apoptose, Zelltod). Bisher befinden sich
zwar eine ganze Reihe von Medikamenten in Erforschung, aber nur für
Alpha-2-Rezeptor-Agonisten konnte außer einer Augendruck-senkenden auch eine
entsprechende 'neuroprotektive' (d.h. die Nervenfasern schützende) Wirkung in
Tierversuchen gezeigt werden. Viele andere Substanzen sind derzeit entweder noch
nicht für eine Behandlung am Menschen zugelassen oder aber ihre Wirksamkeit
konnte bisher nicht belegt werden, wobei auch mögliche Nebenwirkungen in
Betracht gezogen werden müssen.
Gesichtsfeld Mit
Gesichtsfeld ist der Bezirk der Außenwelt gemeint, den man, ohne das Auge zu
bewegen, wahrnimmt. Untersucht wird das Gesichtsfeld mit dem sogenannten
Perimeter. Beim fortgeschrittenen Glaukom kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld.
Schließlich verengt sich das Gesichtsfeld zunehmend, bis man nur noch einen
kleinen Ausschnitt sieht. Ungünstigerweise kann der Patient diese Ausfälle
lange Zeit selbst nicht wahrnehmen (sog. 'Negativskotome') und Augendruckwerte
um 30 mm Hg selbst auch nicht bemerken. So fällt ein Glaukomschaden häufig erst
auf, wenn das Gesichtsfeld des Patienten bereits so stark geschädigt ist, daß er
es in seinem Alltagsleben nicht mehr kompensieren kann und z.B. über Gegenstände
stolpert oder im Straßenverkehr Unfälle verursacht. Aus diesem Grunde halten wir
augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen für unverzichtbar. Bei einem Teil der
Patienten lassen sich diese lange unbemerkten Gesichtsfeldausfälle durch einen
sogenannten Rauschfeld-Test erkennbar machen (Der Patient deckt ein Auge ab und
schaut mit dem offenen Auge auf das schwarz-weiße Rauschen eines Fernsehers).
Durch das Flimmern wird tlw. die Lokaladaptation aufgehoben, so daß diese
Patienten meist in einem bogenförmigen Bereich unter- oder oberhalb des Zentrums
Unterschiede zu dem sonstigen schwarz-weißen Flimmern erkennen (z.B. ein
'grauer' oder ein 'dunkler' Bereich oder ein 'langsameres' Flimmern). Der
Vorteil liegt darin, daß die Patienten mit dieser Art
'Selbst-Rauschfeld-Perimetrie' ihren Erkrankungsverlauf mitkontrollieren und dem
Arzt wertvolle Informationen geben
können.

Früherkennung Man schätzt, dass in Deutschland etwa
fünf Millionen Menschen einen zu hohen Augeninnendruck haben und dass ca. 800
Tausend Patienten am Glaukom erkrankt sind. In den westlichen Industrieländern
ist das Glaukom eine der häufigsten Erblindungsursachen. Dramatisch dabei ist
die hohe Dunkelziffer. Dies und die Tatsache, dass das Glaukom anfangs lange
keine Beschwerden macht, zeigt deutlich, wie wichtig Früherkennung ist. Die
einzig wirklich sichere Möglichkeit, um ein Glaukom auszuschließen, ist die
regelmäßige Routineuntersuchung beim Augenarzt (Glaukomscreening). Vom 40.
Lebensjahr an sollte jeder einmal jährlich zur Früherkennungsuntersuchung zum
Augenarzt gehen. Die alleinige Messung des Augendrucks ist dabei wie zuvor
beschrieben keineswegs ausreichend. Zusätzlich ist zumindest die Beurteilung des
Sehnervenkopfes (Papille) notwendig sowie ggf. auch die Durchführung einer
Perimetrie (Gesichtsfeldprüfung). All diese Untersuchungen sind schmerzlos
und nehmen nicht viel Zeit in Anspruch, sie können jedoch helfen, ein Glaukom
rechtzeitig zu erkennen.
Darüber hinaus verwenden wir Geräte mit einer
sehr hohen Auflösung wie beispielsweise die sogenannte Retina-Tomographie. Dabei wird computerunterstützt mit Hilfe eines
schwachen Laserstrahls der Sehnervenkopf sowie die Nervenfaserschicht der
Netzhaut vermessen. Damit ist es möglich, glaukombedingte Veränderung frühzeitig
zu erkennen, häufig noch bevor Gesichtsfeldausfälle entstehen oder größer
werden. Insbesondere im Verlauf können Veränderungen sehr genau bestimmt werden.
In speziellen Fällen führen wir auch nicht belastende Durchblutungsmessungen am
Auge sowie weitergehende Untersuchungen in Zusammenarbeit beispielsweise mit
Internisten und Neurologen durch.

Therapie a)
medikamentös Mit der medikamentösen Glaukomtherapie soll primär eine
Senkung des Augeninnendruckes erreicht werden. Dies hat eine Entlastung des
Sehnervs und eine Verbesserung der Nährstoffversorgung von Netzhaut und Sehnerv
zur Folge. Die Senkung des Augeninnendrucks wird von den einzelnen
Medikamentengruppen auf unterschiedlichen Wege über eine Herabsetzung der
Kammerwasserproduktion oder über eine Verbesserung des Kammerwasserabflusses
erreicht. Es gibt jedoch auch Medikamente, die zusätzlich zur Drucksenkung einen
direkten Einfluss auf die Durchblutung haben. Mit all diesen Medikamenten soll
ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden. Die folgenden
Medikamentengruppen spielen in der momentanen Glaukomtherapie eine Rolle:
1. Parasympathomimetika Pilocarpin und seine verwandten
Substanzen sind bereits seit 1876 im Einsatz und waren die ersten lokalen
Glaukommedikamente. Sie senken den Augeninnendruck indem sie die Kanälchen
weiten, durch die das Kammerwassers abfließt. Wegen ihrer pupillenverengenden
Wirkung (griechisch:Miosis) werden Sie auch Miotika genannt. Alte Menschen mit
einer zusätzlichen Linsentrübung fühlen sich durch die Miosis beeinträchtigt.
Aber auch jüngere Patienten klagen über schlechtes Dämmerungssehen,
Blendempfindlichkeit und eine durch das Medikament hervorgerufene
Kurzsichtigkeit.
2. Betablocker Die Betablocker sind seit über
20 Jahren in der Glaukomtherapie und noch länger in der Inneren Medizin bei
Herzkreislauferkrankungen im Einsatz. Stellt der Arzt keine Gegenanzeigen wie
Asthma, niedriger Blutdruck oder bestimmte Herzerkrankungen fest, so sind die
Betablocker-Augentropfen heute die Therapie der ersten Wahl. Sie müssen 1-2mal
täglich getropft werden und verursachen in der Regel lokal wenig Probleme.
Betablocker senken den Augeninnendruck über eine Drosselung der
Kammerwasserproduktion. Der am häufigsten eingesetzte Betablocker ist das
Timolol.
3. Alpha adrenerge Substanzen Zu dieser Gruppe gehören
die Substanzen Clonidin, Apraclonidin und das relativ neue Brimonidin. Sie
senken den Augeninnendrucksenkung ebenfalls durch eine Verminderung der
Kammerwasserproduktion. Nebenwirkungen, die bei den drei Substanzen
unterschiedlich ausgeprägt sein können sind: Blutdrucksenkung, Müdigkeit und
Mundtrockenheit.
4. Carboanhydsehemmer Früher wurden
Carboanhydrasehemmer in Tablettenform zur Glaukomtherapie verordnet, was mit
einer Reihe von Nebenwirkungen verbunden war. Seit einigen Jahren gibt es auch
einen Carboanhydrasehemmer (Dorzolamid) in Form von Augentropfen, der nur noch
lokal am Auge wirkt. Die Hemmung des Enzyms Carboanhydrase führt zu einer
Regulation der Kammerwasserproduktion und damit zu einer Senkung des
Augeninnendruckes. Außerdem sprechen Untersuchungen dafür, dass durch die
Carboanhydrasehemmung auch direkt die Durchblutung am Sehnerven und Netzhaut
verbessert werden kann. Lokal kann es nach dem Eintropfen kurzfristig zu einer
Bindehautreizung und gelegentlich zu einem metallischen Geschmack im Mund
kommen.
5. Prostaglandine Prostaglandine (Latanoprost) sind
relativ neu in der Therapie. Da diese Substanzen schon in sehr kleinen Mengen
Wirkung zeigen, sollte die einmal tägliche Gabe nicht überschritten werden. Sie
bewirken vermutlich eine Entspannung des Ziliarmuskels und über den Ab- bzw.
Umbau von Strukturen im Ziliarmuskel einen Verbesserung des Kammerwasserabfluss.
Dadurch kann der Augeninnendruck wirksam gesenkt werden. Die
Prostaglandintherapie kann in 20-25% der Fälle zu einer Augenrötung führen. In
einige Fällen kann es zu einer dauerhaften Verfärbung der Iris kommen. Eine
weitere ungewöhnliche Nebenwirkung ist bei einigen Patienten ein verstärktes
Wimpernwachstum.
b) operativ: Leider erreicht man nicht bei
allen Patienten mit Medikamenten den gewünschten Therapieerfolg. Außerdem kommt
die medikamentöse Glaukomtherapie an ihre Grenzen, wenn der Patient keines der
Glaukommedikamente verträgt oder er nicht regelmäßig tropft. In solchen Fällen
wird der Augenarzt über eine Glaukomoperation oder einen Lasereingriff
nachdenken. Die moderne Augenchirurgie kennt eine ganze Reihe unterschiedlicher
Verfahren, deren Ziel es ist, den Augeninnendruck langfristig zu senken. Häufig
wird ein sogenannter filtrierender Eingriff vorgenommen. Hierbei wird eine
kleine Öffnung in die Lederhaut gestanzt, durch die das Kammerwasser unter die
Bindehaut absickern kann. Weiterhin kann insbesondere bei fortgeschrittenen
Schäden eine tiefe Skleraresektion (Ausschneiden eines Stückchens Lederhaut und
Eröffnen des Schlemm-Kanals ohne durchgreifende Öffnung in das Augeninnere) ggf.
mit Viskokanalostomie (Anspülung des Schlemm-Kanals mit einer speziellen
hochviskösen Flüßigkeit.) durchgeführt werden. Auch bei Lasereingriffen gibt
es verschiedene Verfahren, die für den Patient wenig belastend sind. Das
gebräuchlichste ist die Laser-Trabekuloplastik. Mit einem Argonlaser werden
kleine Löcher in das Trabekelwerk "geschossen". Durch das Einsetzen von
Narbenbildung soll der Abfluss des Kammerwassers verbessert werden. Wenn zum
Lasern ein Kontaktglas auf das Auge des Patienten aufgesetzt werden muß, wird
das Auge vor dem Eingriff mit Augentropfen betäubt. Direkt nach der Behandlung
kann der Patient nach Hause gehen. Leider weist die Laserbehandlung nicht immer
dauerhafte Erfolge auf. In besonders schwierigen Fällen (z.B. sehr
schlechter Allgemeinzustand des Patienten) kann durch eine Zyklophotokoagulation
(mit Laser) oder auch durch eine Zyklokryokoagulation (mit Kälte) der
Ziliarkörper, in dem das Augenwasser gebildet wird, teilweise verödet werden, so
daß die Produktion und damit auch der Augendruck sinkt. (Autor Prof. Dr. K.-P. Steuhl)
- SLT - Selective Laser Trabekuloplastik (bei uns ab September 2010)
ist eine einfache und hoch wirksame Laserbehandlung, die den Augeninnendruck deutlich verringern kann. Die Behandlung wird in meiner Praxis durchgeführt und dauert im Regelfall nur wenige Minuten. Lesen Sie dazu hier mehr, oder laden Sie sich unseren Flyer herunter.)
Glaukomstadien in der Retinatomographie (HRT3)
normale Papille, der Randsaum entspricht der
ISNT-Regel (Inferior-superior-nasal-temporal)
  
Stadium 1, Papille normal, abnorm.
Form des neuroretinalen Randsaums=gleiche Breite, retinale Arteriolen schmal,
fehlende Einbettung in die ausgedünnte RNFS
  
Stadium 2, Papille norm., abnormale
Form es neuroretinalen Randsaums=am schmälsten unten und oben (Pfeile)
  
Stadium 3, abnormale Form des neuroret. Randsaums =am
schmälsten unten, oben und unten Blutgefäße, kein Randsaum!, retinale Arteriolen schmal, fehlende
Einbettung in die ausgedünnte RNFS
  
Stadium 4, fast volständiger Verlust des
neuroret. Randsaumes von 1:00 bis 7:00, retinale Arteriolen schmal, fehlende Einbettung in die ausgedünnte
RNFS, deutliche Zone Beta temporal (Pfeile), beginnende Halo glaukomatosus, parapilär
Anstieg der Oberfläche, als wenn die Papille sich auf dem Boden eines Trichters befinden würde
  
Stadium 5, volständiger Verlust des neuroretinalenRandsaumes, RNFS nicht erkennbar, parapapilläre Atrophie (Halo glaukomatosus) zirkular
  
Was bieten wir für unsere Glaukompatienten an:
- umfangreiche Früherkennungs- und regelmäßige
Verlaufsuntersuchungen
Prüfung von Augendruck (auch mit mehreren Tagesmessungen)
- Gesichtsfelduntersuchung
- Dreidimensinales Vermessen des Sehnervenkopf es mit Retina Tomograph HRT 3
einschliesslich der Bestimmung der retinalen Nervenfaserschichtdicke
-
- Pachymetrie (Messung der Hornhautdicke)
- Einstellung der medikamentösen Therapie
- Diagnostik und medikamentöse Therapie von angeborenen und
kindlichen Glaukomen
Wer trägt die Kosten?
Anders als bei der Krebsfrüherkennung, die von den
Krankenkassen bezahlt wird, und der Behandlung des Glaukoms gehört die
Untersuchung zur Früherkennung des Glaukoms leider nicht zu den gesetzlichen
Vorsorgeleistungen. Dafür bezahlen Sie privat ein maßvolles Honorar an Ihre
Augenärztin oder Augenarzt. Unabhängig davon werden alle Patientinnen und
Patienten, die sich bisher wegen eines Grünen Stars oder eines Verdachts auf
Glaukom in Behandlung oder Kontrolle befanden oder für ein Glaukom typische
Symptome oder Befunde aufweisen, unverändert zu Lasten der Gesetzlichen
Krankenkasse untersucht bzw. behandelt. Alle weiteren Maßnahmen werden
ohnehin voll und ganz von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse
übernommen. Vervollständigen Sie Ihren Vorsorge-Check. Es lohnt sich für Sie
in jedem Falle.
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